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Claas Relotius
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Claas-Hendrik Relotiuscite-ref-1[1] (* 15. November 1985 in Hamburgcite-ref-2[2]) ist ein deutscher Autor, der bis 2018 als Journalist tĂ€tig war. Er schrieb vorwiegend fĂŒr den Spiegel, seine Reportagen wurden vielfach ausgezeichnet. 2018 wurde bekannt, dass er große Teile seiner Reportagen und Interviews frei erfunden hatte, was einen Medienskandal auslöste.

Contents

‱ Leben
‱ Der Spiegel
‱ NZZ Folio
‱ Weltwoche
‱ SZ-Magazin
‱ Literatur
‱ Sachbuch
‱ Forschung
‱ Film
‱ Weblinks

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Leben

Relotius wuchs als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs fĂŒr Wasserwirtschaft in Rosengarten sĂŒdlich von Hamburg auf.cite-ref-3[3] Er studierte Politik- sowie Kulturwissenschaft in Bremen und Valencia.cite-ref-4[4] Von 2009 bis 2011 absolvierte er ein Masterstudium an der Hamburg Media School (HMS), mit Auslandsaufenthalt in Tel-Aviv.cite-ref-5[5]

Relotius schrieb unter anderem fĂŒr Cicero, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Financial Times Deutschland, die taz, Die Welt, das SZ-Magazin, Zeit Online sowie fĂŒr die Schweizer Publikationen Weltwoche, NZZ am Sonntag und Reportagen.cite-ref-cnn-6-0[6] Seit 2017 war er fest angestellter Redakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel,cite-ref-7[7] fĂŒr das er zuvor freiberuflich geschrieben hatte.cite-ref-8[8] Er galt als einer der auffĂ€lligsten Autoren der Redaktion.cite-ref-9[9]cite-ref-fichtner-10-0[10]cite-ref-11[11] Das amerikanische Forbes-Magazin zĂ€hlte ihn zu den herausragenden Autoren unter 30 Jahren in Europa.cite-ref-12[12] In den Jahren 2012 bis 2018 erhielt Relotius insgesamt 19 Auszeichnungen im Journalismus. Preisgelder spendete er im selben Zeitraum in voller Höhe an Kinderhilfsorganisationen, insgesamt 21.000 Euro.cite-ref-interview-relotius-2021-13-0[13]

Anfang 2023 berichteten einige Fach- und Publikumsmedien, dass Relotius fĂŒr die Kreativ- und Werbeagentur Jung von Matt tĂ€tig sei.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Im Sommer 2025 bestĂ€tigte Agentur-GrĂŒnder Jean-Remy von Matt, dass Relotius fĂŒr Jung von Matt arbeitet.cite-ref-16[16]

AffÀre um Erfindungen in journalistischen Texten

Beginn der AffÀre

Im Herbst 2018 arbeitete der Spiegel-Reporter Juan Moreno mit Relotius an einer Reportage ĂŒber BĂŒrgerwehren und FlĂŒchtlingstrecks an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Er bemerkte Unstimmigkeiten im Text, ĂŒberprĂŒfte Angaben und teilte seinen Verdacht der Ressortleitung mit. Die Leiter des Gesellschaftsressorts reagierten skeptisch auf die VorwĂŒrfe, woraufhin Moreno seinem Kollegen hinterherrecherchierte, Mitglieder der im Text beschriebenen BĂŒrgerwehr in den USA besuchte, um Beweise fĂŒr Erfindungen zu sammeln und die Verantwortlichen beim Spiegel zu ĂŒberzeugen.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]cite-ref-zeit-hochst-19-0[19]cite-ref-20[20]

Am 17. Dezember 2018 reichte Relotius seine KĂŒndigung ein.cite-ref-fichtner-10-1[10]cite-ref-21[21] Am 19. Dezember 2018 ging der Spiegel mit dem Fall an die Öffentlichkeit. Claas Relotius habe „in großem Umfang eigene Geschichten erfunden“, die das Nachrichtenmagazin abgedruckt hatte. Nach eigenen Angaben reichten Relotius’ Arbeiten von korrekt recherchierten Texten ĂŒber die Erfindung von Figuren, Szenen, Zitaten und anschaulichen Details bis hin zu komplett erfundenen Geschichten.cite-ref-fichtner-10-2[10]

Reaktionen und journalistische Debatte

Der Spiegel bat öffentlich um Entschuldigung. Der designierte Chefredakteur Ullrich Fichtner kĂŒndigte an, die AffĂ€re durch eine auch mit externen Mitgliedern besetzte Kommission aufklĂ€ren zu lassen.cite-ref-fichtner-10-3[10] Die Journalisten Brigitte Fehrle, Clemens Höges (stellvertretender Chefredakteur des Spiegelcite-ref-kress-de-23-0[23]) und Stefan Weigel (stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Postcite-ref-kress-de-23-1[23]) wurden beauftragt zu untersuchen, weshalb die PrĂŒfsysteme des Nachrichtenmagazins nicht gegriffen haben, und ihre Ergebnisse öffentlich zu dokumentieren.cite-ref-24[24]

In einem offenen Brief vom 22. Dezember 2018 schrieb der designierte Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann von erheblichem hauseigenen Versagen. Der Vorgang sei „so irre, so dreist und so absurd, dass einem die Verfehlungen im Nachhinein geradezu ins Gesicht springen“. Am 28. Dezember 2018 zog die Chefredaktion personelle Konsequenzen. Klusmann kĂŒndigte an, dass Ullrich Fichtner (Chefredakteur) und Matthias Geyer (Blattmacher, Ressort Gesellschaft) „ihre neuen VertrĂ€ge erst mal aussetzen und ruhen lassen“ wĂŒrden, bis eine hausinterne Kommission die AffĂ€re „abschließend untersucht“ habe.cite-ref-25[25]

Der US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell forderte eine unabhĂ€ngige Untersuchung, weil u. a. ĂŒber amerikanische Orte falsch berichtet worden war, und warf dem Spiegel Antiamerikanismus vor.cite-ref-26[26] In den Vereinigten Staaten griffen Medien den Fall auf.cite-ref-27[27] Er wurde zum Anlass fĂŒr Medienkritik und Analysen der transatlantischen Beziehungen genommen.cite-ref-28[28] Der US-amerikanische Journalist James Kirchick schrieb in faz.net, der Spiegel verbreite „seit langem schon einen kruden und sensationslĂŒsternen Antiamerikanismus“.cite-ref-faz-2019-01-05-29-0[29]

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen stellte fest, der Fall Relotius erzwinge eine Debatte ĂŒber die Ethik des ErzĂ€hlens im Journalismus. Stilmittel wie in der Literatur seien zwar erlaubt, aber die Inhalte mĂŒssten stimmen.cite-ref-30[30]

Stefan Niggemeier, selbst ehemaliger Spiegel-Autor, attestierte dem Magazin im Zusammenhang mit dem Fall Relotius eine „gefĂ€hrliche Kultur des Geschichten-ErzĂ€hlens“.cite-ref-31[31] Niggemeier wies auch darauf hin, dass es sogar in journalistischen LehrbĂŒchern als legitim angesehen werde, in Reportagen das Reden und Handeln mehrerer Personen „in einer einzigen Figur zu verdichten“. Die als akribisch geltende Dokumentationsabteilung habe sich von Relotius’ „wirklich in großer Perfektion geschriebenen Texten berauschen lassen“. Dadurch sei ein Mythos zusammengebrochen.cite-ref-32[32]

In der Welt schrieb Christian Meier, Relotius vermöge mit Sprache umzugehen wie kaum jemand sonst in seiner Generation. Seine Reportagen „waren fast immer spektakulĂ€r, extrem gut komponiert und geschrieben“. Er habe sein Talent missbraucht. Es gebe in der Geschichte nur Verlierer.cite-ref-33[33]

Georg Altrogge kritisierte, das Magazin sei dafĂŒr bekannt, Lesern zu suggerieren, seine Reporter seien unmittelbare Zeugen des Geschehens oder könnten sich auf Informationen aus erster Hand berufen; dafĂŒr sei „das Magazin hĂ€ufig in die Kritik geraten, vor allem aufgrund des tendenziösen Charakters solcher oft nicht einmal gegendarstellungsfĂ€higer Passagen“.cite-ref-34[34]

Jörg Thadeusz, ehemaliger Moderator bei Verleihungen von Journalistenpreisencite-ref-35[35] und Juror beim Deutschen Reporterpreiscite-ref-aly-36-0[36], kommentierte, bei der Auswahl fĂŒr Journalistenpreise sei es ihm „oft so vorgekommen, als stĂŒnde ein gewisses Weltbild fest“. Einen Preis erhalte, wer dieses Bild „mit einer sĂŒffigen Geschichte möglichst prachtvoll bestĂ€tigt“.cite-ref-37[37] Ähnlich mutmaßte Dagmar Rosenfeld, zu dieser Zeit Chefredakteurin der Welt am Sonntag, dass Relotius’ Geschichten in das Weltbild der Redaktion passten. „Relotius hat aufgeschrieben, was sein soll. [
] So gesehen hatten die Texte von Relotius etwas Tröstliches. Nur ist es nicht Aufgabe des Journalismus, zu trösten.“cite-ref-38[38]

FĂŒr den Zeit-Journalisten, Literaturwissenschaftler und Philosophen Thomas Assheuer treffen sich in Relotius’ Werken sowohl die konservative als auch die postmoderne Theorieschule: „Die konservative Schule behauptet, man könne den Selbstlauf der modernen Gesellschaft nur ertragen, indem man ihre ModernisierungsschĂ€den durch tröstende ErzĂ€hlungen kompensiere. Die postmoderne Denkschule behauptet, die RealitĂ€t existiere gar nicht, sie sei ein Konstrukt – und Konstrukte solle man besser nicht anrĂŒhren, denn am Ende mache man sie noch kaputt.“ Assheuer bezeichnete Relotius weiter als „Genie der EinfĂŒhlung“, er habe Redaktion und Leser glĂŒcklich gemacht. „Der Superstar war kein Berichterstatter; er war ein Dichtergott, der seine Figuren durch die eigene Schöpfung spazieren fĂŒhrte [
] Und weil er sich mit seiner Schöpfung auskannte, konnte der Weltbaumeister sie wunderschön erzĂ€hlen.“cite-ref-39[39]

In der ZEIT wies der Autor Konstantin Richter auf Reporter wie Gay Talese oder Hunter S. Thompson hin, die ihre SubjektivitĂ€t als poetische Wahrheit feierten. Sie verfassten „detailverliebte Rekonstruktionen von Szenen, die sie nicht selbst erlebt hatten. Sie gaben die TrĂ€ume und intimsten Erinnerungen ihrer Protagonisten wieder. Sie machten aus drei Personen eine einzige, weil sie meinten, dass die Verknappung am Ende ausdrucksstĂ€rker sei als die schnöde Wirklichkeit [
] Relotius hatte in seinen großen Geschichten immer Protagonisten, die wirkten wie Romanfiguren, da waren tolle Szenen und ein ganz eigener Ton. Es war kein Zufall, dass die Protagonisten immer Musik hörten, der Sound war wichtiger als die Wahrhaftigkeit.“cite-ref-40[40]

Michael Angele schrieb: „Wenn ich die Reaktionen auf den Fall Relotius Revue passieren lasse, dann scheint mir, als wĂŒrde man alles Schwierige, Anspruchsvolle, Holprige am liebsten an die Literatur delegieren. Und nur noch reine ‚news‘ verkaufen wollen. Eine Reportage ohne literarische Mittel kann ich mir allerdings nur als Statistik vorstellen, und selbst die wĂŒrde im Kontext einer Zeitung zur Literatur.“ Angesprochen sei also das Formbewusstsein. „Wer eine Zeitung liest, liest Formen, Gattungen, Genres. Er liest nicht einfach die nackte Wahrheit.“cite-ref-41[41]

Die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher warnte vor der „naiven Auffassung, RealitĂ€t sei medial abbildbar und Medieninhalte ein reines Abbild der RealitĂ€t“. Die Reportage sei traditionell eine Gattung, die Fakten mit narrativen Elementen aufbereite, Relotius habe auf diese Darstellungsform zurĂŒckgegriffen. „Ich ordne Relotius der Traditionslinie des New Journalism zu. Ihr BegrĂŒnder Tom Wolfe betonte die Möglichkeit, Wirklichkeit als ErzĂ€hlung zu vermitteln.“cite-ref-42[42] Mehrere Medien zogen denselben Vergleich.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]

In der Debatte um Fake und Fiktion verglichen Medien den Fall Relotius mit dem Fall des Schriftstellers Robert Menasse, der in mehreren politischen Essays Walter Hallstein eine Rede auf dem GelĂ€nde des Vernichtungslagers Auschwitz angedichtet hatte, um fĂŒr die Idee einer „EuropĂ€ischen Republik“ einzutreten.cite-ref-deutschlandfunk-45-0[45] In seinem Text „DĂŒrfen Dichter lĂŒgen?“ griff auch der Philosoph Konrad Paul Ließmann diesen Vergleich auf und unterstellte sowohl Relotius als auch Menasse „Thesen und Texte aus einem Geist der redlichen Überzeugung“.cite-ref-46[46] Im Focus bezeichnete Ulrich Reitz beide FĂ€lle als „politisch motiviert“. Er verglich Relotius und Menasse mit Jurek Beckers „Jakob der LĂŒgner“, der seine KZ-MithĂ€ftlinge mit der LĂŒge so lange wie möglich am Leben erhielt, die Befreiung vom Nationalsozialismus stĂŒnde unmittelbar bevor. „Gelogen wird eben nicht nur aus Angst, Boshaftigkeit, Spottlust, Vorteilsstreben oder moralischer Verwahrlosung, sondern nicht selten aus Freundschaft, Anstand oder Liebe.“ Darin liege das Giftige am Fall Relotius: „Am Verdacht, es könne ein ehrenwertes und also von Schuld entlastendes Motiv geben fĂŒr IrrefĂŒhrung.“cite-ref-47[47]

Das Magazin Journalist berichtete Ende Februar 2019, Texte von Relotius seien neben dem Spiegel auch von dreizehn weiteren Redaktionen oder RedaktionsverbĂŒnden veröffentlicht worden. Acht davon hĂ€tten Fehler in den veröffentlichten Texten gefunden.cite-ref-48[48]

In seinem Essay Am Anfang war die Story argumentierte der Soziologe Stefan Schulz, Relotius könne wunderschön schreiben. „Er hat Geschichten erschaffen, die unseren WĂŒnschen entsprachen, und damit ist er der Wirklichkeit manchmal nĂ€hergekommen, als ihm das mit einem – nĂ€mlich einseitigen – Tatsachenbericht gelungen wĂ€re [
] Auszeichnungen fĂŒr seine Arbeit zeigen, dass er seine Leser zwar nicht gut informiert, aber tief berĂŒhrt hat. Er hat sich als Autor aus dem Bild genommen und seine Leser glauben lassen, dass sie unmittelbar erfahren, was er angeblich erlebte. Das ist Kunst.“cite-ref-49[49]

Zwei Jahre nach der AffĂ€re konstatierte der Medienwissenschaftler Michael Haller, dass der ErzĂ€hljournalismus in die Krise geraten sei. Subjektives ErzĂ€hlen werde zur Diskussion gestellt. Die erlebnisstarken Reportagen der Vergangenheit könnten mit den heute gĂŒltigen, neuen Regeln nicht mehr veröffentlicht werden. Die aktuellen Texte lĂ€sen sich „verklemmt und verzagt“. Reporter wĂŒrden „lieber fakten- als empfindungsreich, lieber berichtend als erzĂ€hlend, lieber distanziert als engagiert“ schreiben. Mit der Neuauflage seines Reportagen-Lehrbuchs (die 1. Auflage erschien 1987) ging Haller in die Offensive und trat leidenschaftlich fĂŒr die Reportage als „Kunstform“ ein, um das Genre von anderen Textsorten abzugrenzen.cite-ref-50[50]

Bericht der AufklÀrungskommission

Am 24. Mai 2019 veröffentlichte Der Spiegel den 17-seitigen Abschlussbericht der im Dezember 2018 einberufenen AufklĂ€rungskommission um Brigitte Fehrle, Clemens Höges und Stefan Weigel.cite-ref-bericht-51-0[51]cite-ref-52[52] Die Kommission berichtete von etlichen Hinweisen (von außen und aus dem Kollegenkreis) darauf, dass manche Spiegel-Kollegen in ihren Texten nicht immer journalistisch korrekt arbeiteten.

Es handele sich dabei um VerfĂ€lschungen, wo Tatsachen nicht korrekt oder nicht vollstĂ€ndig dargestellt worden seien, „entweder aus dramaturgischen GrĂŒnden, weil sich eine Geschichte geschmeidiger erzĂ€hlen lĂ€sst, wenn man beim Beschreiben nicht ausschließlich an Fakten gebunden ist, oder aus weltanschaulichen GrĂŒnden, weil sich eine Geschichte stringenter erzĂ€hlen lĂ€sst, wenn man widersprĂŒchliche Fakten weglĂ€sst. Die Kommission hat bei ihren vielen GesprĂ€chen mit Redakteuren, Dokumentaren und Justiziaren den Eindruck gewonnen, dass es sich hier nicht nur um gelegentliche Ausreißer handelt, sondern zum Teil um unterschiedliche Auffassungen davon, was in einem journalistischen Text noch zulĂ€ssig ist und was nicht.“cite-ref-bericht-51-1[51]

Die Kommission legt zusammen mit ihrem Abschlussbericht einige VerĂ€nderungsvorschlĂ€ge vor. Dazu gehört, dass in Geschichten nicht nur die Fakten stimmen, sondern auch Dramaturgie und AblĂ€ufe die Wirklichkeit wiedergeben mĂŒssen.cite-ref-53[53] Auch fĂŒr die Dokumentationsabteilung des Spiegel soll es neue Regeln geben. So soll unter anderem jede Woche eine Geschichte per Zufallsprinzip ausgewĂ€hlt werden, die „erweitert verifiziert“ wird. Außerdem mĂŒsse jeder Reporter „seine Recherche lĂŒckenlos dokumentieren“ und seine Unterlagen von der Dokumentationsabteilung „mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden“.cite-ref-54[54]

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier lobte am selben Tag die schonungslose Kritik und bezeichnete den Bericht gleichzeitig als „verheerend“ fĂŒr den Spiegel. Am furchtbarsten sei die Schilderung der Redaktionskultur im Haus, „die kaum weiter entfernt sein könnte von dem nach außen getragenen Anspruch“.cite-ref-55[55]

In der Taz kritisierten die ehemaligen Spiegel-Redakteure Horand Knaup und Hartmut Palmer am 28. Mai den Bericht: „Schon der Titel, ‚Der Fall Relotius‘, ist falsch. Zutreffender wĂ€re ‚Der Fall Spiegel‘ gewesen. Der neue Report widerlegt nĂ€mlich die bis dahin verbreitete Version, das Magazin sei Opfer des raffinierten Tricksers Relotius geworden. Der Bericht ist vielmehr ein erschĂŒtterndes Dokument ĂŒber das VerstĂ€ndnis von Journalismus in einem der fĂŒhrenden deutschen MedienhĂ€user, aber auch in den AusbildungsstĂ€tten der Branche. So heißt es dort: ‚Die Reportage wurde zur â€șKönigsdisziplinâ€č erklĂ€rt. JournalistenschĂŒler lernten, 
 WidersprĂŒchliches und Sperriges wegzulassen, schwarz-weiß zu erzĂ€hlen, Grautöne zu meiden, die Wirklichkeit der Dramaturgie unterzuordnen.‘ Oder auch: ‚Die ErzĂ€hlweise, die in Reportageseminaren, zum Beispiel dem des â€șReporterforumsâ€č, gelehrt wurde und wird, bedient sich dabei aus dem Werkzeugkasten des Films, der Comics und der Literatur, also der Fiktion.‘ Und schließlich steht dort noch: ‚Sie [Die Reporter] erzĂ€hlten dann auch aus ihren Reportagen solche Beispiele, die dann eben mal mehr und mal weniger die wahre Geschichte verfĂ€lschten. Aber Einigkeit bestand immer, dass das erlaubt sei.‘“cite-ref-56[56]

Buch von Moreno

Juan Moreno beschrieb seine Sicht des Falles in dem Buch Tausend Zeilen LĂŒge, das im September 2019 erschien und dessen Filmrechte Moreno bereits vor Fertigstellung des Buches, im FrĂŒhjahr 2019, verkaufte.cite-ref-57[57]cite-ref-58[58] Ein vom Spiegel abgestellter Redakteur, der zeitweise daran mitrecherchiert hatte, riet Relotius nach Erscheinen des Buches zur Klage: Moreno gebe eine Recherche vor, die es so nicht gegeben habe, er suggeriere an zentralen Stellen Insiderwissen, das in Wirklichkeit eine Farce sei, und habe sich das, was er nicht gewusst habe, ausgedacht. Hinweise auf Falschdarstellungen und FĂ€lschungen bestĂ€tigte der Spiegel-Redakteur auch gegenĂŒber Relotius’ Anwalt Christian Schertz.cite-ref-interview-relotius-2021-13-1[13]

Im Oktober 2019 wurde Moreno von der Kanzlei Schertz/Bergmann abgemahnt. Moreno habe eine Figur konstruiert und sein Buch enthalte „erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“. Laut Nachrecherchen der Zeit hatte Moreno mit vielen der unmittelbar Beteiligten fĂŒr sein Buch nicht gesprochen, auch nicht mit etlichen mit dem Fall befassten Spiegel-Mitarbeitern. Mehrere seiner GesprĂ€chspartner sagten zudem, er habe ihnen auch nicht wie versprochen Zitate zur Autorisierung vorgelegt.cite-ref-59[59] Morenos Verlag bezeichnete das Vorgehen als „Versuch, mit Randfragen und NebenschauplĂ€tzen den Reporter Moreno zu diskreditieren“.cite-ref-60[60]

Im Februar 2021 teilte Schertz mit, dass eine 50 Seiten umfassende Klageschrift gegen Moreno fertiggestellt sei, auch Spiegel-Mitarbeiter wĂŒrden vor Gericht aussagen.cite-ref-61[61] Im Juni 2021 erklĂ€rte Relotius, er sehe sich nicht in der Position, Moreno zu verklagen, ohne sich selbst öffentlich zu erklĂ€ren.cite-ref-interview-relotius-2021-13-2[13] Auch spĂ€ter wurde keine Klageschrift eingereicht.cite-ref-62[62]

Der auf dem Buch basierende Film Tausend Zeilen kam am 29. September 2022 in die deutschen Kinos.cite-ref-63[63]

Interview mit Relotius

Im Juni 2021 veröffentlichte das Magazin Reportagen ein 26 Seiten langes Interview, in dem Relotius ĂŒber den von ihm verursachten Medienskandal und seine psychische Erkrankung sprach.cite-ref-interview-relotius-2021-13-3[13] Er betonte, dass er die FĂ€lschungen nicht wegen journalistischer Ambitionen begangen habe und dass er Karriereangebote wiederholt abgelehnt habe. Durch manisches Schreiben habe er versucht, Phasen von RealitĂ€tsverlust zu bewĂ€ltigen und psychotische ZustĂ€nde (Denk- und Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen sowie Wahnvorstellungen)cite-ref-64[64] zu kontrollieren, schon lange vor dem Journalismus. Relotius schilderte erste psychotische Episoden wĂ€hrend der Zivildienst- und Studentenzeit und wiederkehrende Episoden in der Zeit seiner TĂ€tigkeit als Reporter. Trotz dieser psychiatrischen Symptome suchte er nach eigenen Angaben damals keinen Arzt auf. Er habe wahrscheinlich kaum einen journalistisch korrekten Text geschrieben – in der unverrĂŒckbaren Überzeugung, Reportagen seien ohnehin nie Tatsachenberichte, sondern verdichtete ErzĂ€hlungen. Je grĂ¶ĂŸer seine Verunsicherung gewesen sei, desto perfekter seien seine Texte geworden. Er habe das GefĂŒhl gehabt, beim Schreiben falsche Gedanken unterdrĂŒcken und den Kontakt zur RealitĂ€t behalten zu können. Dass er dabei journalistisch jeden RealitĂ€tsbezug verlor, habe er einfach ignoriert.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]

Relotius bezeichnete sein Handeln als verantwortungslos. Er habe immer wieder wahllos Texte geschrieben, die voller großer, sinnloser Fehler waren, die den Text nicht besser gemacht hĂ€tten, aber jederzeit hĂ€tten auffallen können. Gleichzeitig habe er geglaubt, er mache seine Arbeit gut. Auf den Vorwurf, im Gesellschaftsressort des Spiegel sei es um die BestĂ€tigung von Weltbildern gegangen, antwortete er, bei den allermeisten seiner eigenen Texte hĂ€tten Weltbilder keine Rolle gespielt. Weiter sei es gerade im Gesellschaftsressort, in dem hervorragende Kolleginnen und Kollegen arbeiteten, um das Aushalten von WidersprĂŒchen gegangen. Relotius betonte, dass sein Handeln nichts ĂŒber den Journalismus oder den Spiegel aussage.

Wie durch das Interview bekannt wurde, hatten Netflix, Amazon und internationale Filmproduktionsfirmen versucht, Relotius fĂŒr eine Dokumentation aus seiner Sicht zu gewinnen, was er aber ablehnte.

Die Neue ZĂŒrcher Zeitung bezeichnete das vielbeachtete Interview als Scoop und bezweifelte die Darstellung, der Fall habe nichts mit politischem Framing und der Branche zu tun. Relotius rĂŒcke den Fokus auf seine Person, womit fragwĂŒrdige Tendenzen in der Medienbranche in den Hintergrund rĂŒckten.cite-ref-68[68] Der Deutsche Journalisten-Verband bezeichnete das Interview als lesenswert und Relotius’ AuskĂŒnfte als schonungslos. Allein die Frage nach den Strukturen, die ihm die Möglichkeiten verschafft haben, Dichtung und Wahrheit beliebig auszutauschen und einem Millionenpublikum zu prĂ€sentieren, bleibe unbeantwortet.cite-ref-69[69] Cicero schrieb, wer wirklich wissen wolle, wie die tiefen AbgrĂŒnde einer dissoziativen Störung aussehen und wie einem der fest geglaubte Boden der Wirklichkeit regelrecht unter den FĂŒĂŸen weggezogen werden könne, dem sei dieses Interview unbedingt empfohlen.cite-ref-70[70]

TextĂŒbersicht

| Medium | Anzahl verfasster Artikel | Zeitraum der verfassten Artikel | von FĂ€lschungen betroffen | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Cicero / Cicero.de | 18 (davon 9 im Print) | 2012 bis 2016 | mindestens 1 | Cicero geht davon aus, dass die Artikel teilweise FĂ€lschungen enthalten, und hat die Texte deshalb offline gestellt. [ 71 ] |
| Datum | 3 | 2013 bis 2015 | offen | Die Texte waren zuvor schon andernorts erschienen. [ 72 ] |
| dpa | 3 [ 73 ] | 2010 [ 73 ] | noch offen [ 74 ] | Die dpa hat angekĂŒndigt, die Texte zu ĂŒberprĂŒfen. [ 74 ] |
| Financial Times Deutschland | 10 | 2010 bis 2012 [ 75 ] | 10 | Alle BeitrĂ€ge weisen MĂ€ngel auf, die gegen die gute journalistische Praxis verstoßen. [ 76 ] |
| Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung | 3 | 2011, 2013 | 2 | Teile eines angeblich von Relotius gehaltenen Interviews hat er aus einem Buch kopiert. In einem weiteren Interview sind laut dem Interviewten Teile seiner Antworten ausgedacht. [ 77 ] |
| NZZ Folio | 2 | 2014 | mindestens 1 | Der Beitrag ĂŒber eine finnische Friseurin soll mehrere grobe Unstimmigkeiten enthalten. |
| NZZ am Sonntag | 6 | 2012 bis 2016 | mindestens 2 | BeitrĂ€ge ĂŒber die GefĂ€ngnisinsel Bastoy und Blutrache in Albanien [ 78 ] |
| Profil | 5 | 2012 und 2013 | noch offen | Bei den Texten handelt es sich um Interviews. [ 79 ] |
| Reportagen | 5 | 2013 bis 2016 | mindestens 4 [ 80 ] | Ungenauigkeiten, fehlerhafte Beschreibungen, faktische Fehler und Imaginationen [ 81 ] |
| Der Spiegel | 60 | 2011 bis 2018 | mindestens 14 [ 10 ] | U. a. BeitrĂ€ge ĂŒber die politische Stimmung in Fergus Falls |
| SZ-Magazin | 2 | 2015 | beide [ 82 ] | Interview mit Martin Greenfield , Interview mit zwei Woodstock -Zeitzeugen [ 83 ] |
| Tagesspiegel | 2 | 2015 | mindestens 1 [ 84 ] | Reportage enthÀlt erfundene GesprÀchsszenen, im Interview sind einige Passagen verdichtet. |
| TagesWoche | 1 | 2012 | 1 [ 85 ] | Reportage aus Sarajevo ĂŒber die psychischen Folgen des Krieges |
| taz | 11 | 2008 und 2011 | keine bekannt [ 86 ] | Es wurden Fehler in den Artikeln gefunden und manche Quellenangaben sind zu hinterfragen, was insgesamt aber als AnfÀngerfehler ausgelegt werden kann. |
| Die Welt / Die Welt am Sonntag | 6 | 2010 bis 2014 | mindestens 1 [ 73 ] | Ein im besagten Artikel beschriebenes Bestattungsinstitut existiert nicht. |
| Die Weltwoche | 28 | 2012 bis 2016 | mindestens 5 [ 87 ] | Eine Reportage aus Beallsville, Ohio erscheint zweifelhaft. |
| ZEIT Online / ZEIT WISSEN | 6 | 2010 bis 2012 | mindestens 2 [ 88 ] | Teile des Interviews mit Austin Lynch wurden erfunden. |

Der Spiegel

Der Spiegel ließ die rund 60 Texte „erneut verifizieren“, die Relotius fĂŒr das Magazin geschrieben hatte. Bis Januar 2019 wurde rund die HĂ€lfte ĂŒberprĂŒft. Die meisten davon waren gefĂ€lscht, enthielten Übertreibungen, Falschdarstellungen und Hinzuerfundenes oder gaben GesprĂ€che mit Menschen vor, denen Relotius nie begegnet war.cite-ref-89[89]cite-ref-spon19-01-24-90-0[90] Relotius ließ ĂŒber seinen Anwalt erklĂ€ren, er habe â€žĂŒber mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfĂ€lscht und hinzuerfunden“. Zu einem im Januar 2019 ĂŒbermittelten Fragenkatalog ließ er mitteilen, er sehe sich zur Beantwortung nicht in der Lage.cite-ref-spon19-01-24-90-1[90]

Die bisherigen Ergebnisse der PrĂŒfung:

‱ Der Artikel JĂ€ger (erschienen in Ausgabe 27/2018) ĂŒber den Fall eines US-Amerikaners, der innerhalb von drei Jahren den Angriff einer Klapperschlange, eines BĂ€ren und eines Hais ĂŒberlebt hat, ist in Teilen stark ĂŒbertrieben und deckt sich nicht mit den Aussagen anderer Medienberichte dazu.
‱ Der Artikel Karteileiche (erschienen in Ausgabe 16/2018) ĂŒber einen RumĂ€nen, der nach dem Wegzug ins Ausland fĂ€lschlich fĂŒr tot erklĂ€rt wurde und dann vergeblich versuchte, diesen Vorgang rĂŒckgĂ€ngig zu machen, enthĂ€lt zahlreiche Fehler und mutmaßliche Erfindungen. Der Name des Protagonisten sowie seiner Familienangehörigen ist falsch. Die GrĂŒnde der Trennung von seiner Frau sowie die Darstellung der Niederlage vor Gericht sind ebenso nicht korrekt.
‱ Der Artikel Letzte Ruhe (erschienen in Ausgabe 01/2018) ĂŒber einen US-Amerikaner, der seinen verschollenen Sohn und dessen Bekannte in der kalifornischen WĂŒste sucht und nach drei Monaten tot findet, ist in erheblichen Teilen erfunden. Zahlreiche von Relotius behauptete Details, die aus einem angeblichen GesprĂ€ch mit dem Mann stammen sollen, wurden von diesem auf Nachfrage als falsch zurĂŒckgewiesen.
‱ Der Artikel BlindgĂ€nger (erschienen in Ausgabe 46/2015) ĂŒber eine englische Frau, die einige Zeit eine Granate fĂŒr eine Vase hielt und als solche nutzte, ist im Wesentlichen korrekt. Relotius hatte mit der Frau Kontakt. Faktenfehler wie die Behauptung, die Granate sei scharf gewesen, wurden von Relotius jedoch ungeprĂŒft ĂŒbernommen.
‱ Der Artikel Verlust (erschienen in Ausgabe 41/2015) ĂŒber einen nach Deutschland geflohenen Syrer, der einen 500-Euro-Schein sowie ein Sparbuch fand und dies bei der Polizei abgab, ist nach Angaben des Spiegels „in der Sache richtig, in Details aber möglicherweise geglĂ€ttet, verkĂŒrzt und vielleicht auch aus dramaturgischen GrĂŒnden geschönt“.cite-ref-91[91]
‱ Die Titelgeschichte Nass (erschienen in Ausgabe 49/2018) zum Weltklimagipfel in Katowice wurde in Teilen von Relotius verfasst. Er berichtet hierfĂŒr angeblich aus Kiribati. Jedoch weisen die Flugunterlagen aus, dass er zwar nach Los Angeles geflogen war, aber nicht die Weiterreise nach Kiribati antrat. Der Text zu Kiribati enthĂ€lt in Teilen auch ohne Ortsbesuch recherchierbare Fakten. Erfunden ist die Aufgabe dreier Orte auf der Insel wegen Überflutung. Bislang ist nur einer der Orte gerĂ€umt worden. Auch die Darstellung eines Mannes, der versuchte, als KlimaflĂŒchtling anerkannt zu werden, ist in einigen Punkten falsch oder zumindest zweifelhaft.
‱ Die Reportage Jaegers Grenze (erschienen in Ausgabe 47/2018) ĂŒber eine BĂŒrgermiliz an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, die letzten Endes zur Aufdeckung von Relotius’ FĂ€lschungen fĂŒhrte, ist in weiten Teilen erfunden oder gefĂ€lscht. Personen sind erfunden, anderen Alters oder heißen anders. Die BĂŒrgerwehr bestreitet die Behauptung, dass sie auch schießen wĂŒrde.
‱ Das Interview Kehrt nicht auch das Böse, wenn man es lĂ€sst, eines Tages zurĂŒck? (erschienen in Ausgabe 39/2018) mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der Widerstandsgruppe Weiße Rose, enthielt Erfindungen oder VerfĂ€lschungen, wie im Dezember 2018 nachgewiesen wurde. Lafrenz hatte das Interview nicht autorisiert, was in den Vereinigten Staaten, wo sie lebt, auch nicht ĂŒblich ist,cite-ref-92[92] was aber zu den Prinzipien des Spiegels gehört.cite-ref-93[93] Lafrenz gab spĂ€ter an, nicht, wie ihr in dem Interview von Relotius in den Mund gelegt wurde, aktuelle Bilder von Deutschen bei den Ausschreitungen in Chemnitz gesehen zu haben, dies sei eine Erfindung.cite-ref-94[94]
‱ Zur Titelgeschichte Deutsch auf BewĂ€hrung (erschienen in Ausgabe 31/2018) lieferte Relotius drei Interviews. Alle drei wurden autorisiert und enthielten keine VerfĂ€lschungen.
‱ Im Artikel Sorry (erschienen in Ausgabe 28/2018) hat Relotius lediglich Material von Kollegen zusammengefasst und wird daher als Mitautor genannt. Es konnten keine VerfĂ€lschungen festgestellt werden.
‱ In der Reportage Ein Kinderspiel (erschienen in Ausgabe 26/2018) erzĂ€hlt Relotius die Geschichte eines 13-jĂ€hrigen Syrers im dortigen BĂŒrgerkrieg. Relotius erzĂ€hlt, ĂŒber das Handy mit dem Jungen Kontakt gehabt zu haben. Zwar existiert der Junge, doch sind zahlreiche Details ĂŒber die Form des Kontakts und die Biographie des Jungen falsch.
‱ Der Artikel Todesengel (erschienen in Ausgabe 50/2017) ĂŒber eine US-Amerikanerin, die einen Bekannten ĂŒber Textnachrichten in den Suizid getrieben haben soll, enthĂ€lt FĂ€lschungen. WĂ€hrend der Fall an sich real ist und umfĂ€nglich in anderen Medien beschrieben wurde, hat Relotius kein Interview mit den Eltern der Frau gefĂŒhrt, und auch eine Darstellung ĂŒber einen Aufenthalt der Frau in einer psychiatrischen Klinik enthĂ€lt Fehler.
‱ Der Text Der Mann von Zimmer 402 (erschienen in Ausgabe 49/2017) ĂŒber den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde von Relotius und sechs anderen Redakteuren geschrieben. FĂ€lschungen wurden nicht gefunden.
‱ Der Artikel Touchdown (erschienen in Ausgabe 44/2017) ĂŒber Colin Kaepernick ist ĂŒberwiegend gefĂ€lscht. Er hat dessen Eltern nie interviewt.cite-ref-fichtner-10-5[10] Auch sonst finden sich einige Fehler.cite-ref-95[95]
‱ Die Geschichte Home-Run (erschienen in Ausgabe 34/2017) ĂŒber einen Baseball-Fan, der die Asche seines verstorbenen Freundes in Stadiontoiletten heruntergespĂŒlt hatte, ist im Kern korrekt, wurde von Relotius aber um unzutreffende Details erweitert. Dazu gehören ein erfundener Spitzname und falsche Angaben zu den Angehörigen des Verstorbenen. Auch der Protagonist und dessen Wirken wird in einigen Punkten falsch dargestellt, wie dieser auf Nachfrage darlegte.
‱ Im Artikel In einer kleinen Stadt (erschienen in Ausgabe 13/2017 Ende MĂ€rz 2017) behauptet Relotius unter anderem, neben dem Ortsschild der amerikanischen Kleinstadt Fergus Falls stĂŒnde ein Schild mit der Aufschrift „Mexicans Keep Out“ – „Mexikaner, bleibt weg“, und Schulkinder wĂŒrden Donald Trump als Vorbild malen.cite-ref-fichtner-10-6[10] Einwohner widerlegten diese und eine Reihe weiterer nicht zutreffender Darstellungen.cite-ref-96[96] Der Artikel wurde von Spiegel Online am 23. Dezember 2018 als erster der erfundenen Texte gelöscht, zugleich erschien der Beitrag In einer fantastischen Stadt von Christoph Scheuermann, der feststellte: „Man trifft Menschen, die Relotius’ Figuren Ă€hneln, aber sich immer weiter von ihnen entfernen, je lĂ€nger man mit ihnen spricht.“cite-ref-97[97]cite-ref-98[98]
‱ Zum Titelthema WĂŒtender weißer Mann (erschienen in Ausgabe 46/2016) ĂŒber Reaktionen zu Donald Trumps Wahlsieg lieferte Relotius einen Artikel ĂŒber GesprĂ€che in einer Kneipe in Dortmund. Die ĂŒberprĂŒfbaren Fakten aus dem Artikel sind korrekt, aber ob die GesprĂ€che tatsĂ€chlich stattgefunden haben, ist nicht nachvollziehbar.
‱ Der Artikel Königskinder (erschienen in Ausgabe 28/2016, 9. Juli 2016) ĂŒber ein syrisches Geschwisterpaar im Alter von 12 und 13 Jahren enthĂ€lt FĂ€lschungen. Die Existenz eines der beiden Kinder kann nicht nachgewiesen werden. Das andere Kind wird mit falschen biographischen Details beschrieben. Relotius sammelte Spenden fĂŒr die Kinder ein (siehe Abschnitt zu dem Umgang mit Spenden).
‱ Die Reportage Nummer 440 (erschienen in Ausgabe 15/2016) ĂŒber einen jemenitischen Gefangenen in Guantanamo, der jahrelang ohne Anklage festgehalten wurde, sich aber aus Angst vor der Fremde gegen die Entlassung in ein osteuropĂ€isches Land entschied, ist in weiten Teilen erfunden, wie Relotius im Dezember 2018 einrĂ€umte.
‱ FĂŒr das Titelthema Die verstörte Nation (erschienen in Ausgabe 51/2015) ĂŒber die Reaktionen der Deutschen auf die Ankunft der FlĂŒchtlinge verfassten verschiedene Spiegel-Autoren 19 kurze StĂŒcke, von denen Relotius drei schrieb. Weil die Namen geĂ€ndert wurden, lĂ€sst sich bei zwei von diesen StĂŒcken nicht ĂŒberprĂŒfen, ob es FĂ€lschungen gibt. Bei dem dritten, das aus Sumte berichtet, stimmen zwar einige Fakten, aber der Protagonist weist bestimmte Behauptungen im Text als falsch zurĂŒck.
‱ Der Artikel Weltklasse mit Herz (erschienen in Ausgabe 40/2015) enthĂ€lt einige von Relotius gelieferte Passagen. Bis auf eine konnten alle verifiziert werden. VerfĂ€lschungen waren nicht nachzuweisen.
‱ Der Artikel Homestory: Jedi-Radler (erschienen in Ausgabe 19/2015) erzĂ€hlt ĂŒber die Erlebnisse des Autors beim Fahrradkauf und den Recherchen in der Fahrradenthusiastenszene. Es sind kleine Faktenfehler enthalten, die aber eher auf den in diesem Bereich noch lernenden Autor zurĂŒckzufĂŒhren sind.
‱ Der Artikel Wenn Mörder zu Pflegern werden (erschienen auf Spiegel Online am 19. April 2014) ist eine verkĂŒrzte Fassung eines beim Schweizer Magazin Reportagen erschienenen Textes. FĂŒr den Bericht ĂŒber HĂ€ftlinge in einem US-amerikanischen GefĂ€ngnis, die andere HĂ€ftlinge pflegen, war Relotius vor Ort und interviewte wohl auch HĂ€ftlinge. Nur kleine Fehler konnten gefunden werden, aber bestimmte Angaben waren nicht zu ĂŒberprĂŒfen, da die Personendaten der HĂ€ftlinge nicht zugĂ€nglich sind.
‱ Spiegel Online bot Relotius ein Interview mit der Schauspielerin Julie Delpy zu ihrem Film Before Midnight unter dem Titel Die MĂ€nner sind schuld an, das am 4. Juni 2013 erschien. Es gibt einige WidersprĂŒche zu anderen Interviews mit Delpy aus dieser Zeit, aber keine auffĂ€lligen UnplausibilitĂ€ten.
‱ Das am 29. November 2011 auf Spiegel Online veröffentlichte Interview mit dem US-amerikanischen Wirtschaftsforscher Daniel Hamermesh unter dem Titel Schönheit zahlt sich buchstĂ€blich aus wurde von diesem verifiziert.
‱ Auf Spiegel Online erschien am 14. November 2011 der Bericht Wer bloggt, dem droht der Tod ĂŒber den mexikanischen Drogenkrieg. Die Aussagen erscheinen plausibel, aber nur wenige Quellen lassen sich ĂŒberprĂŒfen.
‱ Zu dem Artikel Endreinigung (erschienen in Ausgabe 18/2018) ĂŒber einen Kanadier, der sich 17 Jahre nach seinem Aufenthalt bei einem Hotel entschuldigt hat, weil er dort eine Sauerei hinterlassen hatte, gab Relotius im Dezember 2018 an, dass er nicht mit dem Protagonisten gesprochen hatte. Dieser bestĂ€tigte auf Nachfrage, dass er keine Anfrage vom Spiegel erhalten habe. Er habe alle Anfragen bis auf eine von CBC News abgelehnt. Da außer einem Facebook-Eintrag des Protagonisten und dem Radiointerview mit CBC keine Quellen vorlagen, lĂ€sst sich nachvollziehen, dass einige Passagen erfunden sind.
‱ Im Artikel Löwenjungen (erschienen im Spiegel vom 18. Februar 2017) erfand er anscheinend GesprĂ€che eines Arztes und eines Jungen in einem kurdischen HochsicherheitsgefĂ€ngnis.cite-ref-fichtner-10-7[10]cite-ref-sicherungssystem-99-0[99]
‱ Die Reportage Die letzte Zeugin (erschienen am 3. MĂ€rz 2018) ĂŒber eine Frau, die durch die USA reist und als Zeugin von Hinrichtungen auftritt, ist komplett fiktiv.cite-ref-fichtner-10-8[10]cite-ref-sicherungssystem-99-1[99]cite-ref-100[100]

NZZ Folio

Das NZZ Folio, in dem Relotius zwei Interviews in der Reihe Beim Coiffeur veröffentlicht hatte, beendete die Zusammenarbeit nach eigenen Angaben bereits 2014, nachdem eine Leserin auf Unstimmigkeiten im zweiten Text von Relotius hingewiesen hatte.cite-ref-101[101] Das erste Interview war der Zeitung von Relotius angeboten worden und wurde mit einem kolumbianischen Frisör gefĂŒhrt. Nachdem es gedruckt worden war, sagte Relotius, er könne wĂ€hrend einer Reise nach Finnland ein weiteres Interview fĂŒr die Coiffeur-Reihe fĂŒhren.cite-ref-102[102]

Weltwoche

In der Schweizer Weltwoche erschienen eine Reportage, zwei Nachrufe und 25 Interviews von Relotius.cite-ref-103[103] Die Reportage handelte von einem demokratisch geprĂ€gten Dorf im US-Bundesstaat Ohio, das sich von Obama abwendet. Es wird bezweifelt, dass Relotius jemals Beallsville besucht hat und die Hauptfiguren ĂŒberhaupt existieren. Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel versprach eine PrĂŒfung der VorfĂ€lle, erklĂ€rte aber, dass die von Relotius gefĂŒhrten Interviews „zu 100 Prozent“ autorisiert gewesen seien. Der Schriftsteller Leon de Winter erinnerte sich an einen „gut vorbereiteten Interviewer“, Relotius habe „erstklassige Arbeit“ geleistet. Auch der Schriftsteller T.C. Boyle erinnerte sich an lange GesprĂ€che in seinem Haus in Santa Barbara. Der Regisseur Quentin Tarantino und der syrische Dichter Adonis bestĂ€tigten Interviews ebenfalls im Wortlaut.cite-ref-104[104]cite-ref-105[105]cite-ref-106[106]

SZ-Magazin

Das SĂŒddeutsche Zeitung Magazin veröffentlichte im Jahr 2015 zwei Interviews von Relotius, zu denen nach Bekanntwerden des Skandals festgestellt wurde, sie „weisen Fehler auf und verstoßen gegen journalistische Standards“. Sie wurden von der Magazin-Website entfernt.cite-ref-sueddeutsche-de-82-1[82]

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Die Redaktion der FAS hat drei von ihr publizierte Relotius-Texte ĂŒberprĂŒft: Ein Bericht von 2011 ĂŒber Blogger, die von mexikanischen Drogenkartellen bedroht werden, konnte nicht mehr in Zitaten verifiziert werden; Betreiber des Blogs Borderland Beat gehen aber davon aus, dass Relotius ein Interview mit einem der Blogger gefĂŒhrt habe. Ein Interview von 2013 mit dem ehemaligen nordkoreanischen LagerhĂ€ftling und Menschenrechtsaktivisten Shin Dong-Hyuk konnte nicht ĂŒberprĂŒft werden, da dieser auf Nachfrage der FAS nicht reagierte. Laut FAS sei es aber fraglich, ob Relotius ihn getroffen hat, denn wesentliche Teile des GesprĂ€chs stehen wörtlich oder sinngemĂ€ĂŸ in einem Buch, das schon 2012 in den USA erschienen war und die Lebensgeschichte des Nordkoreaners erzĂ€hlt. Der von ihm im selben Jahr angeblich interviewte ehemalige GefĂ€ngniswĂ€rter von Nelson Mandela, Christo Brand, gab auf Nachfrage an, er könne sich nicht an das GesprĂ€ch erinnern, er habe sehr viele Journalisten zu dieser Zeit getroffen. Auch ein Foto von Relotius erkannte er nicht wieder. Die Redaktion ĂŒbersetzte das Interview ins Englische und bat Brand, es zu ĂŒberprĂŒfen. Dieser schrieb der FAS: „einige Teile des Interviews sind nicht meine Worte“. Zum Beispiel wĂŒrde er niemals sagen, dass auf Mandelas Hemd eine Gefangenennummer gewesen sei, denn das habe er nie gesehen. „Ich hĂ€tte auch nicht gesagt, dass Mandela mich auf Afrikaans begrĂŒĂŸte. Der erste Gefangene, der mit mir Afrikaans sprach, als ich in Sektion B begann, war Andrew Mlangeni.“ Laut FAS hat sich Relotius möglicherweise bei anderen Interviews bedient; sollte er mit Brand gesprochen haben, wĂ€ren zumindest Teile des GesprĂ€chs gefĂ€lscht. Einen solchen Fall gab es beim Spiegel.cite-ref-nicht-meine-worte-77-1[77]

Arbeit fĂŒr die Heinz-KĂŒhn-Stiftung

Relotius war Anfang 2013 als Stipendiat der Heinz-KĂŒhn-Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen in Kuba. In seinem von der Stiftung veröffentlichten Abschlussbericht ging es um den angeblich ersten Steuerberater im kommunistischen Kuba. In dem Text wurden spĂ€ter Fehler und WidersprĂŒche gefunden, zum Beispiel wechselnde Vornamen und Nachnamen des Steuerberaters.cite-ref-107[107] Ein weiterer Bericht zu dem Thema, den Relotius im September 2013 in der Zeitschrift Cicero veröffentlichte,cite-ref-108[108] fiel seinem spĂ€teren Spiegel-Kollegen Juan Moreno auf, dem es unglaubhaft erschien, dass angeblich Schuhputzer in Kuba Schlange standen, um die Dienste eines Steuerberaters in Anspruch zu nehmen. Moreno widersetzte sich zur Verwunderung seiner Vorgesetzten beim Spiegel einer Zusammenarbeit mit Relotius und deckte schließlich dessen Fehlverhalten auf.cite-ref-109[109]

Umgang mit Spendengeldern

Am 22. Dezember 2018 berichtete der Spiegel, dass Claas Relotius möglicherweise auch Spendengelder veruntreut habe. So sollte Relotius Lesern des Magazins, die ihn mit Spendenabsichten kontaktierten, angeboten haben, fĂŒr Waisenkinder in der TĂŒrkei zu spenden, und hierfĂŒr seine privaten Kontodaten ĂŒbersendet haben. Anlass war sein im Spiegel erschienener Artikel Königskinder, der sich mit zwei angeblichen syrischen Waisenkindern befasst, die in der TĂŒrkei auf der Straße leben sollen. Auch dieser Artikel ist von Erfindungen betroffen. Der Spiegel kĂŒndigte eine Strafanzeige wegen mutmaßlich veruntreuter Spendengelder an.cite-ref-110[110] Am 27. Dezember 2018 gab eine Anwaltskanzlei in Relotius’ Namen an, dass dessen Ressortleiter ĂŒber den gesamten Vorgang informiert gewesen sei, und dass Relotius im Oktober 2016 die bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spenden in Höhe von mehr als 7000 Euro aus privaten Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und anschließend fĂŒr ein Projekt zur UnterstĂŒtzung von kriegsgeflĂŒchteten Kindern im Irak an die Diakonie Katastrophenhilfe weitergeleitet habe.cite-ref-111[111]cite-ref-112[112] Die Organisation bestĂ€tigte, 2016 einen Betrag in Höhe von 9000 Euro von Relotius erhalten zu haben. Zudem schrieb die Anwaltskanzlei in der Pressemitteilung, Relotius werde allen Spendern ihr Geld vollstĂ€ndig zurĂŒckerstatten.cite-ref-113[113]

Auszeichnungen

In den Jahren 2012 bis 2018 erhielt Relotius insgesamt 19 Auszeichnungen im Journalismus, darunter den Österreichischen Zeitschriftenpreis, den Katholischen Medienpreis, den Peter-Scholl-Latour-Preis sowie viermal den Deutschen Reporterpreis (letzteres war zuvor niemandem gelungen) – dreimal davon fĂŒr die beste Reportage des Jahres.cite-ref-114[114] 2014 zeichnete ihn CNN als Journalist of the Year aus.cite-ref-cnn-6-1[6] In der Laudatio hieß es, er erzĂ€hle auf „poetische Weise“ von gesellschaftlichen Problemen, es gelinge ihm, „im Kopf des Lesers Bilder zu erzeugen, die wie ein Film ablaufen“.cite-ref-115[115] 2017 wurden seine Reportagen ĂŒber einen Jemeniten im US-amerikanischen Guantanamo-GefĂ€ngnis und ĂŒber zwei syrische FlĂŒchtlingskinder mit dem Liberty Awardcite-ref-116[116] und mit dem European Press Prize ausgezeichnet.cite-ref-117[117]

Am 19. Dezember 2018, nur Stunden nach Bekanntwerden der Manipulationen, wurde Relotius der Peter-Scholl-Latour-Preis aberkannt.cite-ref-118[118] Am 20. Dezember gab er seine vier Auszeichnungen mit dem Deutschen Reporterpreis zurĂŒck. Am selben Tag erkannte ihm CNN International sĂ€mtliche Auszeichnungen ab.cite-ref-119[119] Am 28. Dezember erkannte die Deutsche Bischofskonferenz Relotius den Katholischen Medienpreis ab, das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro forderte sie zurĂŒck.cite-ref-120[120] Im Januar 2019 kĂŒndigte Relotius an, wie sein Anwalt erklĂ€rte, „unabhĂ€ngig von der AuthentizitĂ€t der zugrundeliegenden Berichte“ sĂ€mtliche Journalistenpreise zurĂŒckgeben zu wollen. Die in einigen FĂ€llen damit verbundenen Preisgelder wolle er den Stiftern erstatten.cite-ref-121[121] Dies bezog sich auch auf ein Stipendium der Heinz-KĂŒhn-Stiftung fĂŒr eine Recherche in Kuba.cite-ref-122[122]

Manipulationsversuche im Wikipedia-Artikel

2019 wurde mehrfach versucht, den deutschsprachigen Wikipedia-Artikel ĂŒber Claas Relotius, der erst nach den ManipulationsvorwĂŒrfen im Dezember 2018 erstellt worden war, zu seinen Gunsten zu manipulieren und schönzufĂ€rben. Die Manipulationsversuche wurden von mehreren neu angelegten Sockenpuppen ausgefĂŒhrt.cite-ref-123[123]

Literatur

Sachbuch

‱ Juan Moreno: Tausend Zeilen LĂŒge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus. Rowohlt, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1.

Forschung

‱ Samuli Björninen: The rhetoric of factuality in narrative: Appeals to authority in Claas Relotius’s feature journalism. In: Narrative Inquiry. Band 29, Nr. 2, 16. Oktober 2019, ISSN 1387-6740, S. 352–370, doi:10.1075/ni.19024.bjo (jbe-platform.com [abgerufen am 26. September 2022]).
‱ Valerie Nowak, Klaus-Dieter Altmeppen: Verantwortung erfolgreich delegiert. Der Fall Relotius aus verantwortungsethischer Sicht. In: Communicatio Socialis (ComSoc). Band 53, Nr. 3, 16. September 2020, ISSN 0010-3497, S. 370–387, doi:10.5771/0010-3497-2020-3-370 (nomos-elibrary.de [abgerufen am 26. September 2022]).
‱ Christian Schicha, Ingrid Stapf, Saskia Sell: Medien und Wahrheit: Medienethische Perspektiven auf Desinformation, LĂŒgen und „Fake News“. Nomos Verlag, 2021, ISBN 978-3-7489-2319-0.

Film

‱ Tausend Zeilen. Spielfilm, 93 Minuten, Deutschland 2022. Regie: Michael Herbig. Drehbuch: Hermann Florin.
‱ Erfundene Wahrheit – Die Relotius AffĂ€re. Dokumentation, 93 Minuten, Deutschland 2023. Regie: Daniel Sager.

Weblinks

Commons

: Claas Relotius

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Daniel Bouhs, Inga Mathwig: Der Fall Relotius und die Folgen fĂŒr den Journalismus. NDR Fernsehen – ZAPP, 28. Mai 2019.

Der Spiegel zum Fall Relotius:

‱ Alle Spiegel-Artikel zum Fall Relotius
‱ Der Fall Relotius. Wie das Spiegel-Sicherungssystem an seine Grenzen stieß Hintergrundbericht, 19. Dezember 2018.
‱ Der Fall Claas Relotius: Wir haben sehr viele Fragen an uns selbst Stellungnahme der Spiegel-Chefredaktion, 20. Dezember 2018.
‱ Spiegel-Ausgabe Nr. 52/2018, gekĂŒrzt auf die 24 Seiten zum Fall Relotius, 22. Dezember 2018 (PDF; 2,4 MB; Archiv)
‱ Der Fall Relotius. Abschlussbericht der AufklĂ€rungskommission, 25. Mai 2019 (PDF; 472 kB).

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Rezension von Relotius auf blog.zeit.de, 9. Februar 2011, siehe unten: „von Claas-Hendrik Relotius“.
cite-note-22. ↑ Stipendien-Aufenthalt in Kuba vom 02. Februar bis 15. MĂ€rz 2013. (PDF; 1,1 MB) Heinz-KĂŒhn-Stiftung; abgerufen am 19. Dezember 2018.
cite-note-33. ↑ Juan Moreno: Tausend Zeilen LĂŒge. Rowohlt, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 29–31, 128.
cite-note-44. ↑ Claas Relotius. Profil auf der Website der Hamburg Media School
cite-note-55. ↑ Juan Moreno: Tausend Zeilen LĂŒge. Rowohlt, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 24–26, 128.
cite-note-cnn-66. ↑ CNN Journalist Awards 2014. In: CNN. 28. MĂ€rz 2014.
cite-note-77. ↑ Der Fall Relotius: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
cite-note-88. ↑ Die SPIEGEL-Artikel von Claas Relotius (Jahre 2011 bis 2016). Linkliste. In: Spiegel Online. 20. Dezember 2018, abgerufen am 4. November 2022.
cite-note-99. ↑ „Spiegel“-Betrug: Wie Relotius eine Stadt gegen sich aufbrachte. In: Die Presse. 20. Dezember 2018, abgerufen am 6. Januar 2019.
cite-note-fichtner-1010. ↑ Ullrich Fichtner: Manipulation durch Reporter. Spiegel legt Betrugsfall im eigenen Haus offen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018.
cite-note-1111. ↑ Jan-Philipp Hein: Streitbar: Die Rolle des Journalismus: Claas Relotius und der Spiegel. In: Schweriner Volkszeitung. 5. Januar 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 6. Januar 2019.
cite-note-1212. ↑ Sherisse Pham, CNN Business: Germany's Der Spiegel says star reporter Claas Relotius wrote fake stories 'on a grand scale'. Abgerufen am 23. November 2021.
cite-note-interview-relotius-2021-1313. ↑ Margrit Sprecher, Daniel Puntas Bernet: Erfundene Wirklichkeit: Warum betrog uns Claas Relotius mit seinen Geschichten? Wir haben ihn gefragt. In: Reportagen, Nr. 59, Juli 2021. Online unter dem Titel «Ich hatte nicht mehr das GefĂŒhl, eine Grenze zu ĂŒberschreiten» (Zugang nur mit Abo).
cite-note-1414. ↑ Marc Bartl: Wer hat's erfunden? Claas Relotius ist jetzt Werbetexter. In: kress.de. 16. Januar 2023, abgerufen am 8. Februar 2023.
cite-note-1515. ↑ Claas Relotius soll einen neuen Job haben – und wird wohl wieder Texte schreiben. In: Stern.de. 16. Januar 2023, abgerufen am 9. Februar 2023.
cite-note-1616. ↑ Alexander KĂŒhn, Martin U. MĂŒller: (S+) »Jetzt habe ich meinen Traumjob: keine Verantwortung, ĂŒberall reinreden. Super.« In: Der Spiegel. 26. Juli 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. August 2025]).
cite-note-1717. ↑ Christian Meier: „Die Reaktionen waren langsam und mangelhaft“. In: Die Welt. 24. Mai 2019, abgerufen am 8. November 2019.
cite-note-1818. ↑ „Spiegel“-Reporter Moreno wurde offenbar mit Rauswurf gedroht. In: FAZ. 22. Dezember 2018, abgerufen am 15. November 2020.
cite-note-zeit-hochst-1919. ↑ Holger Stark: Claas Relotius. Ein Fall fĂŒr die LehrbĂŒcher. In: Zeit Online. 21. Dezember 2018, abgerufen am 17. August 2019.
cite-note-2020. ↑ Juan Moreno: Tausend Zeilen LĂŒge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus. Originalausgabe Auflage. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 225–235.
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cite-note-221. „Der Spiegel“ macht Betrugsfall um Relotius zur Titelgeschichte. In: goettinger-tageblatt.de. 4. Juli 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 4. Juli 2019; abgerufen am 11. November 2023.
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